"Die Gewalt gegenüber Frauen nimmt zu. Es sind Affekthandlungen und auch Gewalt als gezielt eingesetzte Strafe." So beschreibt Angelika Stramiello, Leiterin des Frauenhauses Salzgitter, eine neue Dimension von Gewalt, die Frauen erfahren haben, die mit ihren Kindern Schutz und Hilfe im Frauenhaus Salzgitter suchen. Auch die Altersstruktur hat sich verändert. Die Frauen heute sind jünger, oft zwischen 20 und 25 Jahren mit und ohne Kinder. Es sind oft Frauen aus bildungsfernen Schichten oder ohne Berufsausbildung, überwiegend Deutsche, auch mit Migrationshintergrund. Die durchschnittliche Verweildauer im Frauenhaus beträgt ca. 2 Monate. Im Frauenhaus werden Unterkunft, Beratung und Begleitung angeboten. Vor den Frauen liegt ein schwerer Weg. Sie müssen beginnen, die Gewalterfahrungen zu verarbeiten, ihr Leben neu zu ordnen und Perspektiven zu entwickeln. Manche Frauen schaffen das nicht. Sie kehren in ihre alte Umgebung zurück in der Hoffnung, dass ihr Partner sein Versprechen hält und keine Gewalt mehr anwendet.
Ein besonderes Problem stellen die Kinder dar. Viele sind verhaltensauffällig. Sie sind in ihrer Sprachentwicklung zurück, haben Ängste und Schlafprobleme. Untersuchungen weisen aus, dass sie später anfälliger sind für Drogenmissbrauch und kriminelle Handlungen. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, bedarf der Prävention. Das wiederum bedeutet einen Mehraufwand beim Personal. Ein entsprechender Antrag des Frauenhauses wurde nicht positiv beschieden.
Ein großes Maß an Nächstenliebe, Professionalität und eine hohe Frustrationsschwelle brauchen die Beraterinnen im Frauenhaus, so die einhellige Meinung von Horst Christlieb, Christa Garms-Babke und Rosa Hinrichs, die im Rahmen der AG Soziales und Umwelt bei Bündnis 90/Die Grünen eine Standortanalyse vornehmen, die Grundlage ihrer künftigen landespolitischen Aktivitäten sein wird. Hinzu kommt ein großes Maß an Ausdauer und Beharrlichkeit. Denn jedes Jahr neu muss die Arbeit des Frauenhauses gerechtfertigt werden. Die Finanzierung ist nur für jeweils 12 Monate gesichert. In der Kommune im Bereich freiwilliger Leistungen angesiedelt, fehlt auf Landesebene eine gesetzliche Grundlage zur Förderung der Frauenhausarbeit. Ziel grüner Politik ist es daher, dass der Gewaltschutz von Frauen als Pflichtaufgabe des Landes eine verlässliche Förderung bekommt.