2006-11-14
Die CDU/CSU im Bund, dem Land Niedersachsen und vor Ort in Person des Abgeordneten Fromme können es gar nicht erwarten, dass endlich Atommüll in Schacht Konrad eingelagert wird. So orakelt Herr Fromme, dass die Nichtzulassungsbeschwerden vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnt werden, und Herr Kauder, Fraktionsvorsitzender von CDU und CSU im Bundestag gebärdet sich als Heilsprophet, der von irgendwoher die Offenbarung hat, dass Konrad für die Menschen sicher sei und dass alles gut werde.
Offensichtlich hat Herr Kauder noch nicht zur Kenntnis genommen, dass belastbare Fernprognosen prinzipiell nicht möglich sind. Auch scheint er nicht zu wissen, dass sich im Fall des Atommüllendlagers Asse bei Wolfenbüttel – in knapper Entfernung zu Schacht Konrad – die damalige Heilsprophezeiung bereits nach 20 Jahren als falsch erwiesen hat. Wassereinbrüche, deren Eintrittsstellen nicht bekannt sind, und Instabilität des Grubengebäudes kennzeichnen dort die Lage. Die Asse ist eine Zeitbombe geworden, oder wie es Bundesumweltminister Gabriel ausdrückt: „Der GAU in der Endlagerdebatte“. Ähnliche sicherheitsbedenkliche Zustände gibt es beim Atommüllendlager Morsleben.
Belastbare Fernprognosen sind unmöglich, die bundesdeutsche Konzeption der nicht-rückholbaren Endlagerung radioaktiver Abfälle, d.h., einer Endlagerung, die im Gefahrenfall nicht umkehrbar ist, ist gescheitert. In den USA und im europäischen Ausland wurden Lehren aus dem Scheitern gezogen. Endlagerung wird dort unter umkehrbaren Vorzeichen angegangen. Doch Herr Kauder und andere Verantwortungsträger auf Zeit wollen dem Feldexperiment Asse mit dem Schacht Konrad ein weiteres folgen lassen zu Lasten der Menschen in der Salzgitter-Region, unterstützt von Abgeordneten wie Herrn Fromme, deren vornehmste Aufgabe es eigentlich sein müsste, die Lebensinteressen der Menschen in Salzgitter zu vertreten. Und das Lebensinteresse der Mehrheit zielt nicht auf Ausgleichszahlungen für ein Endlager, sondern auf die Bewahrung ihres Lebens, ihrer Gesundheit und ihrer Mitwelt.
» Artikel der Braunschweiger Zeitung vom 14.11.2006