neXTvote ist eine Initiative des Landesjugendrings und hat alle DirektkandidatInnen der im Landtag vertretenen Parteien zu ihren jugendpolitischen Positionen befragt
Bedeutung der Jugendarbeit
Welche Rolle und Bedeutung schreiben Sie der Jugendarbeit in den kommenden Jahren zu? Wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die Jugendarbeit?
Aktuell sehe ich drei Herausforderungen:
- Viele Eltern sind nicht mehr in der Lage, ihrem Erziehungsauftrag nachzukommen. Hier kann die Jugendarbeit wirksam helfen, Schulversagen entgegenzuwirken sowie Kindern Sozialkompetenz und Demokratiefähigkeit zu vermitteln.
- Viele junge Menschen wenden sich aus unterschiedlichen Gründen vom Elternhaus ab. Gespräche scheinen nicht mehr möglich, die Kluft unüberbrückbar. Hier sind psychologische Beratungsstellen unverzichtbar.
- Jugendliche ohne oder mit schlechtem Hauptschulabschluss werden in sog. Warteschleifen mit zum Teil als sinnlos empfundener Beschäftigung geparkt; die Projekte sind zeitlich begrenzt. Die Jugendhilfe ist unverzichtbar, aber sie ist letztlich Reparaturbetrieb für ein nicht erfolgreiches Schulsystem. Statt hoher Folgekosten muss in ein Schulsystem investiert werden, das alle Kinder in ihren Begabungen und Fähigkeiten fördert (s. hierzu das Schulkonzept "Neue Schule" der Grünen). Im Rahmen der Übergangszeit müssen die Angebote der Jugendhilfe verbindlich abgesichert werden.
Anerkennung Ehrenamt
Wie wollen Sie das Ehrenamt in der Jugendarbeit zukünftig besonders anerkennen?
Grüne Politik will eine EhrenamtsCard mit umfassenden Vergünstigungen, eine Berücksichtigung des Engagements bei den Studiengebühren (bis diese wieder abgeschafft werden) und höhere Rentenanwartschaften für ehrenamtliche Tätigkeit.
Berührungspunkte
Welche Erfahrungen haben Sie persönlich in der Jugendarbeit (z.B. als Teilnehmer-in oder Jugendleiter-in)?
- als Mutter von 3 Kindern mit einem großen FreundInnenkreis, der regelmäßig unser Haus und im Sommer in Zelten den Garten bevölkerte;
- in der Begleitung von Fußballmannschaften, in denen meine Söhne spielten;
- in einer Gruppenleitungsfunktion in der Naturfreundejugend;
- als Vorsitzende der Klassenelternschaft.
Herausforderungen für das Bildungssystem
Wo sehen Sie die zentralen Herausforderungen für das niedersächsische Bildungssystem?
- Förderung der frühkindlichen Bildung mit besonderem Schwerpunkt bei der Förderung entwicklungsverzögerter Kinder und der Sprachförderung im Kindergarten;
- Umbau des niedersächsischen Schulsystems vom dreigliedrigen System zur „Neuen Schule“, die Ganztagsschule ist, jahrgangsübergreifend unterrichtet, in der Sitzenbleiben und Abschulung überflüssig, Noten durch schriftliche Beurteilungen ersetzt werden, der Tagesrhythmus vielfältige Lernmöglichkeiten, Ruhepausen sowie sportliche ebenso wie kreative Angebote und außerschulische Lernorte einbezieht;
- Förderung des sog. Übergangssystems (Maßnahmen für Jugendliche ohne oder mit wenig gutem Hauptschulabschluss). Grüne Politik setzt an die Stelle der "Warteschleifen" Qualifikationsmodule, die auf eine Berufsausbildung bzw. auf Teilqualifikationen angerechnet und anerkannt werden, und auf eine Ausweitung der sog. Produktionsschulen, die das praktische und theoretische Lernen durch die Produktion von Waren und das Anbieten von Dienstleistungen strukturieren. Ziel ist ein erfolgreicher Berufsabschluss für alle;
- die Schaffung von mehr und besseren Studienplätzen und das gebührenfreie Erststudium.
Konkretes Ziel
Welches konkrete bildungspolitische Ziel möchten Sie als Landtagsabgeordnete-r als erstes angehen und wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?
Die Einführung der "Neuen Schule", die verbindliche Förderung für Jugendliche im Übergangssystem (s. unter Herausforderungen), die Förderung entwicklungsverzögerter Kinder sowie die Sprachförderung im Kindergarten durch entsprechende Landesfinanzierung, das gebührenfreie Erststudium.
Ganztagsschule
Welche konkreten Schwierigkeiten sehen Sie zurzeit bei der Kooperation von (Ganztags)Schulen mit Jugendverbänden? Wie wollen Sie hier Abhilfe schaffen?
Ich kenne gute Kooperationen sowohl im Rahmen der Gebundenen als auch der Offenen Ganztagsschule. Im Rahmen der "Neuen Schule" sind derartige Kooperationen selbstverständlicher Bestandteil (s. auch unter Herausforderungen für das Bildungssystem).
Schritte gegen Kinderarmut
Welche konkreten Schritte gegen Kinderarmut in Niedersachsen wollen Sie daher als erstes in Angriff nehmen?
- Bereitstellung eines Sozialfonds für Mahlzeiten, Lernmittel, Fahrkarten für den SEK II-Bereich und Maßnahmen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, durch Land und Kommunen finanziert;
- Beitragsfreiheit für alle Kindergartenjahre. Hier ist die Stadt Salzgitter Vorreiterin. Ab 1.8.2008 ist der Kindergartenbesuch für alle Kinder kostenfrei.
- Bundesrats-Initiative für eine spürbare Erhöhung des ALG II sowie eine eigenständige Grundsicherung (Regelsätze) für Kinder und Jugendliche.
Besondere Förderung
Bei welcher Gruppe von "jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf" halten Sie eine stärkere Förderung für besonders notwendig? Wie sollte diese aussehen?
Bei Jugendlichen im Übergangssystem und bei der Frühförderung (s. auch zentrale Herausforderungen für das Bildungssystem).
Weitere Infomationen zu nexTVote unter www.nextvote.de
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E-Mail an Dr. Christa Garms-Babke