Von Thomas Stechert
und Kai-Uwe Ruf
WOLFENBÜTTEL/REMLINGEN. Der Atommüll in der Asse bewegt viele Menschen in der Region. In zwei Foren mit Landtagskandidaten der Wolfenbütteler Wahlkreise 9 (Nord) und (10) Süd spitzte der Asse-II-Koordinationskreis das Gespräch auf das Thema zu.
Mehr als 80 Zuhörer kamen ins Dorfgemeinschaftshaus Remlingen, wo Wahlkreis-10-Kandidaten Rede und Antwort standen - Claudia Osterloh (CDU), Marcus Bosse (SPD), Marc Angerstein (FDP) und Christa Garms-Babke (Grüne).
In Wolfenbüttel war der Saal des Hotels Kronprinz mit etwa ebenso vielen Zuhörern voll besetzt. Dort stellten sich Frank Oesterhelweg (CDU), Dörthe Weddige-Degenhard (SPD), Björn Försterling (FDP) und Bertold Brücher (Grüne) den Fragen. Die Linke-Kandidaten und der NPD-Bewerber waren nicht beteiligt.
Moderiert wurden die Foren von Paul Koch, dem Vorsitzenden der Schöppenstedter Tschernobyl-Initiative. Den Koordinationskreis stellte er als "Vertreter der kritischen Öffentlichkeit" vor. Koch verwies auf die in unserer Zeitung veröffentlichten Kandidaten-Stellungnahmen zur Asse-Problematik. Dies belege die Bedeutung des Themas für die Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Asse-Schachtes lebten.
In den Foren bekräftigten die Kandidaten ihre in unserer Zeitung bereits dargestellten Positionen. Allen gemein: Sie plädierten für die sicherste Lösung für die Asse - wenngleich nach unterschiedlichen Verfahrensweisen. Weitere Aussagen in Stichworten:
Oesterhelweg: "Ein Atom-Ausstieg wäre langfristig wünschenswert, aber wir sind als Industrieland auf Energie angewiesen." - "Rückholbarkeit (des Atommülls) hätte ich gerne. Wir müssen sehen, wie das machbar ist."
Försterling (ergänzend): "Eine generelle Rückholbarkeit wäre sinnvoll."
Weddige-Degenhard: "Die Konsequenz aus der Asse heißt: Ausstieg aus der Atomkraft - so schnell wie möglich. Rückholbarkeit ist der bessere Weg."
Brücher: "Eine ewig trockene Lagerung hat sich als Fiktion erweisen. Weg vom ,endgültigen Endlagerkonzept'; sicher verwahren - aber nicht abschließen."
Osterloh: "Noch gibt es zur Atomenergie keine adäquate Alternative. Wir sollten nicht unsere Kernkraftwerke abschalten und Energie aus nicht intakten Atomkraftwerken aus Tschechien gewinnen. Ich unterstütze den Optionsvergleich. Bei der Schließung von Asse II sollte man das Bergrecht in abgewandelter Form anwenden."
Bosse: "Ich bin gegen eine Flutung des Asse-Schachts und für eine Rückholung des eingelagerten Atommülls. Ein klares Ja zum Atomausstieg. Mit einem Konzept schaffen wir es, in 10 Jahren vom Atomstrom wegzukommen."
Garms-Babke: "Der Optionsvergleich ist eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit. Wir müssen schnell handeln. Selbstverständlich sollte man bei Asse II das Atomrecht anwenden, weil es sich um ein Endlager handelt."
Angerstein: "Wir brauchen die Atomenergie noch. Aus zeitlichen Gründen ist man gut beraten, Asse II nach Bergrecht zu schließen. Wir haben ja die Zusage, dass alle rechtlichen Konsequenzen greifen. Man sollte den Optionsvergleich abwarten."

Quelle: Braunschweiger Zeitung, Wolfenbüttel, 24. Januar 2008, Wolfenbüttel Lokales, Seite 42