2007-10-15
Podiums-Diskussion im Wolfenbütteler Bildungszentrum: Christa Garms-Babke musste aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen. An Ihrer Stelle vertrat Clemens Schwanhold, Mitglied des Wolfenbütteler Kreisverbandes, die grünen Positionen.
Ein Bericht der Braunschweiger Zeitung, Wolfenbüttel vom 16. Januar 2008.

Das Podium bei der Testwahl-Diskussion unserer Zeitung: (von links) Marc Angerstein (FDP), Claudia Osterloh (CDU), Moderator Karl-Ernst Hueske, Marcus Bosse (SPD) und Clemens Schwanhold (Grüne).
Von Kai-Uwe Ruf
WOLFENBÜTTEL. Zwei Stunden hören 39 Schüler im Pavillon des Wolfenbütteler Bildungszentrums konzentriert zu, wie die Landtagskandidaten ihre Positionen darstellen. Kommentarlos lauschen sie den Darstellungen zum Mindestlohn und zum Jugendstrafrecht.

Die Schüler verfolgen im Pavillon des Wolfenbütteler Bildungszentrums die Diskussion der Landtagskandidaten des Wahlkreises 10.
Die Neugierde wächst mit der Betroffenheit. "Wollen Sie das Gymnasium erhalten und die Haupt- und die Realschule zusammenlegen?", fragt ein 16-Jähriger aus der Großen Schule ganz konkret, als es um Für und Wider der Gesamtschule geht.
Das deckt die unterschiedlichen Positionen in der Bildungspolitik auf: "Wir wollen nichts zusammenlegen. Wir wollen, dass aus der Hauptschule heraus qualifizierte Schüler Jobs finden", sagt Claudia Osterloh. Die CDU-Kandidatin will das mehrgliedrige Schulsystem beibehalten.
Ganz anders Clemens Schwanhold, der für die privat verhinderte Kandidatin der Grünen, Christa Garms-Babke, kurzfristig eingesprungen ist. "Wozu halbe Sachen machen, wenn man auch ganze machen kann", sagt der 19-Jährige. Der Gymnasiast spricht sich für eine Gesamtschule aus, auf der nach der 10.Klasse ein Gymnasium aufgesattelt werden könnte.
Dem SPD-Kandidaten Marcus Bosse gefällt das gar nicht. "Meine Position ist ein klares Bekenntnis zum Gymnasium, aber mit der Möglichkeit der Gesamtschule," sagt er. FDP-Kandidat Marc Angerstein will weiter das gegliederte Schulsystem: "Da wird nicht sortiert, sondern individuell gefördert."
Reaktionen der Schüler gibt es auch auf die Darstellungen zur Asse II und der Atompolitik: "Wo soll die Energie denn herkommen?", fragt ein 16-Jähriger.
Die vier Landtagskandidaten einigen sich auf einen Energiemix. Am schnellsten weg von der Kernenergie wollen die Grünen. Nach und nach aussteigen möchten aber auch die anderen Politiker. Claudia Osterloh und Marc Angerstein zeigen sich beim Thema Atommüll im Asseschacht als Vertreter der Region, und erklären sich bereit, in Hannover notfalls gegen ihre Partei zu stimmen.
Wie man Landtagskandidat wird, interessiert die Schüler. Marcus Bosse berichtet von einer "Ochsentour" durch die Ortsvereine. "Danach wird abgestimmt. Das ist ganz bürgernah." "Eine Kandidatenliste kann man beeinflussen, indem man einer Partie beitritt", empfiehlt Claudia Osterloh. Marc Angerstein berichtet von dem Kandidaten-Mangel bei kleinen Parteien. Bei den Grünen müsse man nicht einmal Parteimitglied sein, um auf die Wahlliste gesetzt zu werden, verrät Clemens Schwanhold.
Nach zwei Stunden Podiumsdiskussion sagt die Schülerin Catharina Gilde: "Ich weiß jetzt mehr über Parteien."
Von Kai-Uwe Ruf
WOLFENBÜTTEL. "Ich hab mich umentschieden" sagt Anette Oberzig. Die 16-Jährige ist nur eine von vielen, bei denen die Podiumsdiskussion Wirkung zeigte. Unsere Zeitung hat vier Landtagskandidaten des Wahlkreises 10 eingeladen - Repräsentanten der vier im Landtag vertretenen Parteien.
Sie stellen ihre Positionen vor Schülern des Gymnasiums Große Schule und des Wolfenbütteler Bildungszentrums dar. Mit welcher Wirkung - das zeigt unsere Testwahl. Wir ließen die Zuhörer vor und nach der Diskussion entscheiden: Wem würden Sie Ihre Stimme geben?

Das Ergebnis zeigt: Die Diskussion hat sich gelohnt. 4 der 39 Zuhörer hatten vorher noch keine Meinung zur Landtagswahl. Nachher war nur noch einer unentschlossen. Bei unserer Testwahl gab es Gewinner und Verlierer (siehe nebenstehende Graphik). Besonders überzeugend wirkte offenbar Clemens Schwanhold. Der 19-jährige Schüler vom Gymnasium im Schloss war für die privat verhinderte Kandidatin der Grünen eingesprungen. Das erste Mal sitze er auf so einem Podium, sagte er. Die Premiere war ein voller Erfolg. 16 Schüler gaben ihm nach der Diskussion ihre Stimme, vorher hatten nur 9 ihr Kreuz bei den Grünen gemacht. Bei der Landtagswahl am 27.Januar wird er allerdings nicht auf dem Wahlzettel stehen.
Leicht zulegen konnte auch der SPD-Kandidat Marcus Bosse. Unverändert blieb die Zahl der Stimmen für Marc Angerstein von der FDP.
Deutliche Verluste erlitt Claudia Osterloh. Sie bekam nach der Diskussion nur noch halb so viele Stimmen wie vorher.
Quelle: Braunschweiger Zeitung, Wolfenbüttel, 16. Januar 2008, Wolfenbüttel Lokales, Seite 43
Fotos: Kai-Uwe Ruf