2007-07-10
Die Mahnwache am vergangenen Mittwoch, die das Bündnis Salzgitter gegen Konrad durchgeführt hat, ist auf reges Interesse gestoßen, und das nicht nur angesichts der Unterstützung der im SOS-Mütterzentrum Salzgitter-Bad beheimateten Trommlergruppe. In Gesprächen wurde u.a. deutlich, dass vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht klar ist, über welche Zeiträume die radioaktiven Abfälle eine Gefahr für die Menschen darstellen. Und es gab ungläubige Reaktionen darauf, dass Wissenschaftler meinen, sie könnten eine Gefährdung der Menschen durch das Endlager Konrad für 1 Million Jahre ausschließen. Auch wurden Ängste angesichts der Transporte im dichtbesiedelten Salzgittergebiet geäußert.
Das Bündnis führt die Mahnwache an jedem ersten Mittwoch im Monat von 17 – 17.30 Uhr am Stadtmonument in Lebenstedt durch. Aktueller Anlass für die Mahnwache sind zum einen die Bemühungen der niedersächsischen CDU/FDP-Landesregierung, Schacht Konrad umgehend als Atommüllendlager umrüsten zu lassen. Bemühungen, die der für die Region zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete und Bundesumweltminister Gabriel schnellstens zum Erfolg führen will, obwohl die Beschwerden der Stadt Salzgitter und des Landwirts Traube beim Bundesverfassungsgericht noch anhängig sind.
Zum anderen sind Anlass die Geschehnisse um das 20 km entfernte Atommüllendlager Asse bei Wolfenbüttel. An diesem Endlager ist sichtbar geworden, was für Konrad aus politischen Gründen verdrängt wird, aber längst Stand der Wissenschaft ist: Es ist nicht möglich, belastbare Fernprognosen zu geben. Darum darf eine Endlagerung nicht unumkehrbar sein. Die Endlagerung im Salzbergwerk Asse galt ursprünglich als absolut sicher. 20 Jahre später ist sie zum Sicherheitsrisiko geworden. Damit ist das Scheitern der nicht-rückholbaren Endlagerkonzeption, das international längst anerkannt ist, nun auch in Deutschland sichtbar geworden.
Das Bündnis zieht daraus die Konsequenz, dass nach dieser Konzeption nicht in Schacht Konrad eingelagert werden darf. Das Bündnis fordert von den politisch Verantwortlichen, das Konrad-Projekt – losgelöst vom juristischen Verfahren - zu stoppen, das Konzept der Nicht-Rückholbarkeit radioaktiver Abfälle aufzugeben und unter breiter öffentlicher Beteiligung nach neuen umkehrbaren Endlagerlösungen zu suchen. Erst wenn die Bevölkerung entschieden hat, welche Risiken der Endlagerung sie hinzunehmen bereit ist, und wenn geklärt ist, welche ihr im gesamtstaatlichen Interesse zugewiesen werden könnten, wäre es an der Zeit, in ganz Deutschland nach dem bestmöglichen Endlagerstandort zu suchen. Und zwar – den Empfehlungen des Arbeitskreises Endlagerung folgend - ohne Vorfestlegungen auf Schacht Konrad und Gorleben, und damit ohne ausschließlich dem Land Niedersachsen die in Deutschland entstandenen und noch anfallenden atomaren Hinterlassenschaften aufzubürden.
