vom 2. Mai 2006 in Salzgitter-Bad
mit Prof. Dr.Dr. Günter Altner und Dr. Christa Garms-Babke
Es fand eine Veranstaltung der evangelischen Propstei Salzgitter-Bad statt zu Fragen des verantwortlichen Umgangs mit radioaktiven Abfällen. In seiner Begrüßung hob Propst Jürgen Schinke hervor, dass die Propstei Salzgitter-Bad seit 1991 führend im Widerstand gegen Schacht Konrad gewesen sei. Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Christa Garms-Babke stellte das Kernstück der Planunterlagen Schacht Konrad dar, den sog. Langzeitsicherheitsnachweis. Dieser ist erforderlich, weil der Atommüll in Schacht Konrad nicht-rückholbar und wartungsfrei endgelagert werden soll. Dem Konzept der Nicht-Rückholbarkeit wurde das der Rückholbarkeit als das verantwortungsvollere gegenübergestellt. Dabei wurden die Vor- und Nachteile beider Konzeptionen miteinander verglichen. Professor Günter Altner, Biologe, Theologe und Umweltwissenschaftler, bemängelte, dass die ethische Frage nach den verantwortbaren Folgen von technologischen Projekten immer zu spät gestellt werde. Er sprach sich sehr deutlich für die Möglichkeit aus, den eingelagerten Müll zur Not wieder herauszuholen. Er begründete das mit der Ethik Albert Schweitzers, die einen nachhaltigen, respektvollen Umgang mit der gesamten Natur fordert. Da wegen der weitgehend unbekannten Wasserströme ungewiss ist, wann die radioaktiven Abfälle zurück in die Biosphäre befördert werden, entspricht nach Altner die kontrollierte Lagerung des Atommülls in tiefen geologischen Schichten eher verantwortungsethischen Maßstäben als die unkontrollierte, nicht-rückholbare. Andere europäische Länder und Amerika hätten sich bereits von der bundesdeutschen Endlagerphilosophie verabschiedet. Hier wird längst rückholbar endgelagert. Gründe dafür sind die unabsehbaren Risiken und die mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung. Äußerst fruchtbar war auch das Gespräch mit Konrad-Befürwortern über die alternative Konzeption.
In der Veranstaltung wurde angemahnt, die Frage der konzeptionellen Ausgestaltung der Endlagerung und ihrer Folgen in breiter Öffentlichkeit und im Bundestag zu diskutieren. Denn in Deutschland ist das Scheitern der nicht-rückholbaren Endlagerung offensichtlich, wie die Endlager Morsleben und Asse bei Wolfenbüttel zeigen.