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"Schacht Konrad gehört auf politische Ebene"

Christa Garms-Babke und Andreas Knoblauch stellen sich unseren Lesern: Landtagswahlkandidaten der Grünen am SZ-Telefon

Bericht in der Salzgitter Zeitung am 19. Dezember 2007

Von Alexandra Ritter

SALZGITTER. Eine Petition an den Landtag. Das ist es, was Gertrud Wilke plant. Sie teilt ihr Anliegen den Landtagswahlkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen, Christa Garms-Babke und Andreas Knoblauch, am SZ-Lesertelefon mit.

Gertrud Wilke und ihr Mann haben - wie berichtet - ein Haus in Salzgitter-Bad gekauft, das auf einer ehemaligen Mülldeponie steht. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten ergab, dass keine Gefährdung für die Gesundheit vorliege. Damit will sich die Familie Wilke nicht zufrieden geben. "Wir hätten vor dem Kauf des Hauses informiert werden müssen", sagt Gertrud Wilke am Lesertelefon. Christa Garms-Babke (Wahlkreis 10/Süd) versteht die Situation der Familie. "Ich möchte auch nicht auf einer Müllhalde wohnen", erklärt die 60-Jährige und sagt Familie Wilke Unterstützung zu. Allerdings gibt sie zu verstehen: "An der rechtlichen Lage kann ich auch nichts ändern."

Höchstspannungsleitung

Leser Ingolf Spickschen aus Lesse interessiert das Thema 380-kV-Leitung. "Ich bin bei den Protestveranstaltungen dabei gewesen. Was Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gesagt hat, überzeugt mich nicht. Wie wollen Sie erreichen, dass die Höchstspannungsleitung unterirdisch weitergeführt wird?", fragt der 72-Jährige. "Wir müssen komplett von Hochspannungsmasten wegkommen", antwortet Andreas Knoblauch (Wahlkreis 11/Nord). "Die Leitungen müssen langfristig unter die Erde kommen."

Die Grünen träten für die Erdverkabelung ein. "Das steht in unserem Wahlprogramm", erklärt auch Christa Garms-Babke. "Wie das bezahlt werden soll, steht allerdings nicht drin. Das ist dann Verhandlungssache."

Stromanbieter

Sie finde es nicht richtig, dass die Kosten bei einer Erdverkabelung von den Stromanbietern auf die Kunden umgelegt werden könnten, sagt Garms-Babke und fügt an: "Eon-Avacon soll die Mehrheit der WEVG bekommen. Wir sind dagegen. Wir haben schließlich eine Gesamtverantwortung für die Kommune."

Herbizid-Einsatz

Leser Ingolf Spickschen will weiterhin wissen, was die Grünen gegen den Einsatz von Herbiziden unternehmen wollen. "Die Pflanzenvernichtungsmittel sind gesundheitsschädlich", sagt er. "Ich halte die Einführung für unverantwortlich. Für die Pflege der Grünflächen kann man auch neue Stoffe schaffen."

Die Grünen hätten versucht, viel Aufmerksamkeit für das Thema zu bekommen, berichtet Andreas Knoblauch und hofft, dass die Verwaltung dem Herbizid-Einsatz trotz der für 2008 geplanten Anwendung skeptisch gegenübersteht. "Vielleicht hat sie gemerkt, dass der Einsatz nichts gebracht hat. Die Herbizide wurden alle vom Regen weggespült."
Es gebe ein anderes Verfahren, bei dem das Wildkraut mit heißem Wasser besprüht, also quasi verbrüht werde. "Das muss als Alternative geprüft werden", sagt der Salzgitteraner.

Schulpsychologen

Auch für den Erhalt und den Ausbau des Schulpsychologen-Netzes wollen sich die Grünen auf Landesebene einsetzen, verspricht Christa Garms-Babke am Lesertelefon.

Freiwilligen-Zentren

"Wie wollen Sie das Freiwilligen- Zentrum Salzgitter unterstützen?", fragt Leserin Monika Jüntschke, die für das Zentrum arbeitet. "Bürgerliches Engagement gehört zu unserem Landesprogramm", antwortet ihr die Grünen-Landtagswahlkandidatin und spricht sich für eine bezahlte Koordinatorenstelle aus. "Wenn das Projekt Erfolg haben soll, dann muss das einer hauptamtlich in die Hände nehmen. Sonst bröckelt es auseinander. Es braucht eine finanzielle und sachliche Ausstattung sowie eine hauptamtliche Kraft", so Christa Garms-Babke.

Ehrenamt

Andreas Knoblauch fügt an: Ehrenamtliche Tätigkeit dürfe nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. "Ehrenamt funktioniert nur, wenn die eigene Existenz gesichert ist. Wenn sich Sozialsysteme ausdünnen, dann gibt es auch weniger Ehrenamtliche." Und Christa Garms-Babke fordert: Ehrenamt müsse belohnt werden. Sie denke da an höhere Rentenanwartschaften oder Vergünstigungen im Studium. Im Pflegebereich stehe sie dem Ehrenamt allerdings skeptisch gegenüber. "Man kann sich nicht auf jemanden verlassen, auf den man keinen Anspruch hat. Für die Pflege muss man professionelle Hilfe schaffen."

Agenda-Prozess

Wie die Grünen zum Agenda-Prozess stehen, will Leserin Monika Jüntschke wissen. Die 52-Jährige habe selbst jahrelang an dem Nachhaltigkeitsprogramm der Kommune teilgenommen, berichtet sie. Für das Programm wurden Arbeitsgruppen eingerichtet, die Leitbilder und Konzepte für bestimmte Themen wie Stadtentwicklung oder Klimaschutz erarbeiten sollten. "Ich habe schließlich aufgehört, weil es nur schleppend voranging." In der Tat sei es schwierig, Dynamik in Agenda-Prozesse zu bekommen, sagt Andreas Knoblauch. "Wenn alle Beteiligten gleichberechtigt sind, verlängern sich die Prozesse."

In Salzgitter hätten verschiedene Agenda-Gruppen statt eines gemeinsamen Leitbildes zuerst unterschiedliche Leitbilder entwickelt, sagt Christa Garms-Babke. Schließlich habe man sich auf die "familienfreundliche Stadt" einigen können. "Damit war der Agenda-21-Prozess auf lokaler Ebene abgeschlossen", so Christa Garms-Babke, die darauf verweist, dass Agenda-Prozesse in erster Linie Sache der Kommunen seien. Es sei aber auch hier zu überlegen, inwieweit über die Landesebene Sachmittel und Personal für die Agenda-Vereine bereitgestellt werden können. Sie wolle die Vereine auf jeden Fall unterstützen, vielleicht sogar durch eine Mitgliedschaft.

Schacht Konrad

"Schacht Konrad ist nicht nur eine juristische Frage, sondern gehört auf die politische Ebene", sagt Christa Garms-Babke weiterhin am Lesertelefon. "Die Asse ist gescheitert und das Konzept für Schacht Konrad auch", sagt die Landtagskandidatin. "Wir müssen es auf kommunaler Ebene hinkriegen, dass die politisch Handelnden sagen, es muss neu nachgedacht werden."

Bericht der Salzgitter Zeitung, 19.12.2007

Die Landtagswahlkandidaten der Grünen, Christa Garms-Babke (rechts) und Andreas Knoblauch, beantworten Fragen der Salzgitteraner am Lesertelefon, SZ-Redakteurin Alexandra Ritter hört zu.

 

Quelle: Salzgitter Zeitung, 19. Dezember 2007, Salzgitter Lokales, Seite 20


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E-Mail an Dr. Christa Garms-Babke